Meine Meinung zu Windows 11

Windows 11, der Nachfolger der „letzten Version von Windows“, ist nun seit knapp einem Monat offiziell verfügbar. Wie auch sein Vorgänger wird das Betriebssystem als kostenloses Upgrade angeboten.
Als Softwareentwickler und sehr technikaffiner Mensch, habe ich es natürlich direkt zum Start ausprobiert und ausführlich getestet. Wenn du diesen Artikel liest, denke immer daran, dass die nachfolgenden Zeilen meine persönliche Erfahrung und Meinung zu Windows 11 wiederspiegeln. Für eine allgemeine Vorstellung von Windows 11 gibt es genügend andere Quellen.

Systemvoraussetzungen

Nun ja, das „direkt zum Start ausprobieren“ ist nicht so ohne Weiteres möglich. Microsoft hat dieses Mal nämlich die Hardwarevoraussetzungen deutlich verschärft. Mein PC sei nicht kompatibel, da der Intel Core der sechsten Generation aus dem Jahr 2015 nicht auf der offiziellen Liste steht. Man könne die Prüfung laut Microsoft über Umwege bzw. einer Neuinstallation umgehen, allerdings erhielte man dann keinen Support, keine künftigen Updates und es gäbe keinen Anspruch auf Gewährleistung bei möglichen Schäden. Der Support-Artikel liest sich so, als plane man, ein Lagerfeuer in einer Feuerwerksfabrik errichten zu wollen.

Möglicherweise keine (Windows-) Updates für meinen produktiv eingesetzten Rechner? Nicht so geil. Dann muss mein 11,6″ Convertible aus dem Jahr 2017 für den ersten Test herhalten. Das Gerät ist laut Kompatibilitätsprüfung geeignet. Wenn du selbst prüfen möchtest, ob dein Gerät Windows 11 tauglich ist, kannst du dir die HealthCheckApp von Microsoft herunterladen.

Probleme mit Touchscreen und Tastatur

Das Upgrade von Windows 10 auf 11 dauerte etwas, funktionierte aber vollkommen automatisch und ohne Probleme. Nach dem ersten Neustart war dann mein Mauszeiger plötzlich weg. Funktioniert das Touchpad nicht mehr? Maus angeschlossen – weiterhin zeigte sich kein Zeiger. Gerät neu gestartet – keine Änderung. Irgendwann bemerkte ich, dass in der rechten oben Ecke des Bildschirms ein Touch-Indikator sichtbar war. Anscheinend nahm Windows an, dass ich permanent mit einem Finger oben auf den Bildschirm tippe. Das erklärte auch, wieso der Zeiger nicht sichtbar war, denn dieser wird im Touch-Modus ausgeblendet. Treiber-Updates gab es keine, aber nach dem x-ten Neustart im Abgesicherten Modus hat sich das Problem irgendwie selbst beseitigt.

Neugierig, ob ich der einzige Nutzer mit diesem Problem bin, kontaktierte ich die Suchmaschine meiner Wahl. „Windowws 11 touuch screen  issuees“. Und da zeigte sich schon das nächste Problem. Aus irgendeinem Grund wurde etwa alle 2 Sekunden jeder Tastenanschlag doppelt gezählt. Nach etlicher Recherche und Neustarts konnte ich das Phänomen nicht beseitigen. Selbst die hauseigene Funktion zur Verhinderung von doppelten Tastenanschlägen zeigte sich unbeeindruckt.

Mittlerweile war Tag 3 an Troubleshooting angebrochen. Die anfängliche Euphorie war weg und ich hatte insgesamt schon zu viel Zeit aufgewendet, um etwas zum Laufen zu bekommen, was vorher anstandslos funktionierte. Da ich mein Notebook auch nutzen musste, entschied ich mich vorerst zur Rückkehr zu Windows 10.

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Die Verwendung von Windows 11 auf vermeintlich kompatibler Hardware war enttäuschend. Vermutlich waren es Treiberprobleme, möglicherweise hätte eine Neuinstallation anstelle des Upgrades besser funktioniert. Da meine Freizeit endlich ist, versuchte ich es nicht weiter und das Betriebssystem bekam stattdessen noch eine Chance in einer virtuellen Maschine (VMware). Ein Test hinsichtlich der Performance in einer VM wäre unfair, daher beziehe ich mich jetzt nur noch auf die „Usability“ bzw. Bedienbarkeit.

Taskleiste

Ich bin kein Fan der automatischen Gruppierung von Programmfenstern in der Taskleiste. Ich hab’s oft probiert, aber ich werde damit automatisch immer zum „Fenster-Messie“ (nein, nicht der Fußballer). Zudem stört mich der zusätzliche Aufwand, um aus einer Gruppe das eine Fenster auszuwählen.Windows 11 erlaubt es nun nicht mehr, dieses Verhalten auf der Taskleiste einzustellen. Wieso? Keine Ahnung. In den letzten 12 Jahren hat das noch funktioniert.
Der Aufruf des Task-Manager über den Rechtsklick auf der Taskleiste ist ebenso nicht mehr möglich – auch eine Funktion, welche ich häufig nutze.

Kontextmenü

Apropos Rechtsklick: Das Kontextmenü für Dateien wird nun nicht mehr vollständig angezeigt, sodass vor allem Drittherstellerprogramme nur noch umständlich über den Menüpunkt „Weitere Optionen anzeigen“ zugänglich sind.Ich verstehe den Hintergedanken dieser Entscheidung, jedoch wäre auch hier eine Möglichkeit, das Verhalten umzustellen oder z.B. mit Alt+Rechtsklick direkt das alte Menü zu öffnen, angebracht. Die Tastenkombination „Shift+F10“, wie unter Windows 11 gezeigt, funktioniert bei mir übrigens gar nicht.

Startmenü

Mit dem neuen Startmenü kann ich mich leider auch nicht so richtig anfreunden. Insgesamt ist es schön schlicht, aber mit den vorab angehefteten Apps zu Disney+, TikTok, Instragram und co. wirkt das Menü eher als Werbeplattform bzw. Einnahmequelle für Microsoft. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die Apps nicht vorinstalliert sind und lediglich als entfernbare Verknüpfung ihr Dasein fristen.

Lustigerweise lässt sich der Bereich „Empfohlen“ unterhalb der angehefteten Apps in den Einstellungen deaktivieren. Er wird dadurch aber nicht ausgeblendet, sondern zeigt stattdessen einen statischen Hinweis zur Reaktivierung der Funktion an.

Look & Feel

Hinsichtlich der Optik ist Microsoft mit Windows 11 wieder etwas mutiger geworden und geht mit „runden Ecken“ und halbtransparenten Bedienelementen zurück in Richtung Windows 7 und dem Aero Design. Leider ist die Umsetzung alles andere als konsequent, denn die klassischen Apps wie Notepad (oder 99% aller bisherigen Drittherstellerprogramme) bekommen davon nichts mit.

Zumindest die Titelleiste hätte betriebssystemseitig vereinheitlicht werden können ohne die jeweiligen Programme anpassen zu müssen. Selektierte Einträge im klassischen Kontextmenüs und Scrollleisten sehen jetzt auch eher ungesund schmal aus.

Übrigens kann sich selbst der Windows Explorer teilweise nicht entscheiden, wie er dargestellt werden möchte.

Fazit

Nach längerer Testphase musste ich feststellen: Windows 11 bietet für mich keinen Mehrwert. Hinsichtlich der Bedienbarkeit ist es für mich ein Rückschritt. Mit externen Tools wie StartAllBack oder Start11 lassen sich zwar manche der oben genannten „Besonderheiten“ korrigieren, allerdings kann ich dann genauso gut beim Vorgänger bleiben.

Neue große Funktionen suche ich vergeblich. Direct Storage und die angekündigte Integration von Android Apps existieren zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Der überarbeitete Windows Store kommt auch für Windows 10.

Werde ich irgendwann wechseln? Vielleicht, spätestens wenn der offizielle Support für Windows 10 2025 ausläuft. Ich gehe allerdings davon aus, dass Microsoft noch die eine oder andere Verlängerung bekanntgeben wird. Wenn es soweit ist, werde ich auch Linux eine Chance geben wollen.

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