Sollten wir unseren Urlaub nutzen, um auch unseren Social Media Feeds eine Pause zu gönnen? (Gastartikel)

Alle guten Dinge sind drei. Elia wartet passend zur Urlaubszeit mit einem neuen, thematisch sehr interessanten, Gastbeitrag auf!

Für die meisten ist Urlaub dazu da, abzuschalten, sich zu entspannen und vom Alltag zu distanzieren. Oft bedeutet das, einmal nicht den Nachrichten zu folgen, Arbeits-Emails zu lesen und Anrufe zu beantworten. Nichtsdestotrotz hat eine Umfrage der Marriott-Hotelkette ergeben, dass nur 26% der befragten Amerikaner ihr Smartphone oder Tablet gegen das Angebot eines 25%-igen Nachlass auf Hotelbesuche eintauschen würden. Woran liegt das?

Zwei Phänomene wurden in diesem Zusammenhang identifiziert: “Smoasting”, Social Media Boasting, und ein Gefühl mit dem Namen “FOMO” – Fear Of Missing Out. Ersteres beschreibt diejenigen Urlauber, die der Versuchung, ihren Urlaub für Freunde und Bekannte auf Facebook zu dokumentieren, einfach nicht widerstehen können: In Großbritannien sind das laut T-Mobile ganze 60%. Dieses Verhalten besteht daraus, an berühmten Orten einzuchecken, Neid erregende Status-Updates und Fotos von Sonne und gutem Essen zu posten.

Eng damit verbunden ist “FOMO”, aber eher von einem anderen Blickwinkel: Das Phänomen beschreibt das beinahe zwanghafte Verhalten jener Nutzer, die immerzu ihre Social Media Feeds checken müssen, um sicherzugehen, dass sie auch nichts Wichtiges verpassen. Oft führt das dazu, dass diese Personen sich hinterher schlechter fühlen als vorher – meistens weil sie sehen können, dass ihre Freunde Spaß haben und sie nun fürchten, etwas zu verpassen. Laut einer Studie von Harris Interactive “leiden” 62% der befragten US-Bürger an dieser Verfassung.

Auf der anderen Seite betonen Forscher des Media Psychology Research Centres, dass verschiedene Urlauber Entspannung auf unterschiedlichen Wegen finden können: Viele möchten sich bloß ein wenig von ihrem Alltag distanzieren und vielleicht ein paar Freundschaften pflegen, die sonst in ihrer täglichen Routine untergehen. Andere brauchen die komplette Trennung zwischen Alltag und Erholung – die absolute Abschottung. Eine dritte Gruppe wiederum fährt in den Urlaub, wohlwissend, dass eine kleine Menge Arbeit nicht nur notwendig, sondern eigentlich auch ganz angenehm ist . Hauptsächlich, weil sie sich besser entspannen können, in dem Wissen, dass sie nichts Wichtiges bei der Arbeit verpassen und der erste Tag zurück auch nicht so ein großer Schock sein wird.

In diesem Sinne hat eine der zuständigen Forscherinnen, Dr. Rutledge, erklärt, dass auch soziale Medien verschiedene Funktionen erfüllen können: Vor allem für die erste beschriebene Gruppe können sie eine Möglichkeit darstellen, während des Urlaubs mit entfernten oder sogar ausländischen Freunden in Kontakt zu treten. Spiele, wie beispielsweise Words with Friends oder auch einfach nur der gute alte Facebook-Chat können entspannend sein und ein Privileg darstellen, für das im Alltag weder Zeit noch Platz ist. Und diejenigen, die mit sozialen Medien arbeiten, können einen Teil ihrer Urlaubszeit dazu nutzen, Artikel anderer Experten zu lesen und ihren Horizont erweitern.

Der Kern der Frage ist also nicht, ob wir soziale Medien komplett aus unserem Urlaub verbannen sollten, sondern vielmehr eine individuelle Reflexion, welchem Zweck dieser bestimmte Urlaub dienen soll. Ist es eine Zeit, in der wir loslassen und über unser Leben nachdenken möchten? Oder eine Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu treten und sich entspannt, ganz ohne Alltagsstress, zu unterhalten? Das Ziel unseres Urlaubs sollte die bestimmende Variable sein, nach der sich unsere Nutzung von sozialen Medien und anderen Technologien richtet. Wenn das bedeutet, dass wir uns einmal nicht um unsere Online-Freunde kümmern wollen, dann ist das Abschalten der Social Media Feeds eine grandiose Idee.

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